"Ohne Nachbaugebühren gibt es viel weniger Fortschritt."

Sortenschutz ist der Motor der Pflanzenzüchtung

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Zahlreiche, erfolgreiche, an sich verändernde Anforderungen angepasste Winterweizen- und Wintergerstesorten, aber auch Hybridkulturen wie Mais belegen, wie unentbehrlich der arbeitsintensive Einsatz der Pflanzenzüchter für einen erfolgreichen Ackerbau ist. Damit die Pflanzenzüchter auch in der Zukunft erfolgreich forschen und entwickeln können und somit ressourcenschonenden Fortschritt für die Landwirtschaft bereitstellen können, brauchen wir Z-Lizenz- bzw. Nachbaugebühren.

 

Wie wichtig ein hoher Saatgutwechsel bzw. ein effektiver Sortenschutz ist, zeigen uns die „kleinen“ Kulturen, die Züchter neben den großen Getreidekulturen in ihrem Portfolio heute – auch vor dem Hintergrund der wachsenden Nachfrage nach heimischen Eiweiß – noch bearbeiten: Beispiel Ackerbohne: 2011 wurde auf ca. 55 Prozent der bundesweiten Anbaufläche für Ackerbohnen (gesamt: 17.200 Hektar) Z-Saatgut verwendet – das sind ca. 20.000 Dezitonnen Z-Saatgut. Bei einer durchschnittlichen Z-Lizenzgebühr von rund 8 Euro je Dezitonne Z-Saatgut in den vergangenen Jahren haben alle Züchter (vier Sortenvertreter bzw. Züchter) somit 160.000 Euro Gesamtzüchterlizenz erhalten.


Ähnlich sieht es auch bei Erbsen aus: Auf geschätzt 50 Prozent der Anbaufläche (Gesamt 55.000 Hektar für 2011) haben Landwirte zertifiziertes Saatgut eingesetzt. Somit wurden für rund 50 Prozent der Anbaufläche keine Z-Lizenzgebühren und zum Teil auch keine Nachbaugebühren entrichtet. Insgesamt haben folglich Landwirte 55.000 Dezitonnen zertifiziertes Saatgut erworben.

 

Bei einer durchschnittlichen Züchterlizenz von rund 8 Euro pro Dezitonne in den vergangenen Jahren ergibt sich eine Gesamtzüchterlizenz von 440.000 Euro für fünf Sortenvertreter bzw. Züchter. Die Erbsen- und Ackerbohnenzüchter haben damit zusammen etwa 600.000 Euro Z-Lizenzgebühren eingenommen. Dem gegenüber stehen die Kosten der Züchtung von rund 50.000 Euro je Hektar Zuchtgartenfläche und Jahr.

 

Bei einer Gesamtfläche für die Ackerbohnen und Erbsenzüchtung von ca. 17 Hektar entstehen somit Kosten in Höhe von 850.000 Euro reine Züchtungskosten ohne Vertriebs- und Vermarktungs- sowie Risikozuschläge. Dabei belaufen sich die Einnahmen aus Z-Lizenzgebühren lediglich auf 600.000 Euro. Es besteht also derzeit eine Investitionslücke von über 250.000 Euro, die die Züchter derzeit quer finanzieren.

 

Gerade in Zeiten des Klimawandels und weitestgehend ausgereizter Produktionsmittel wie Pflanzenschutz und Düngung ist die Züchtung der zentrale Schlüssel für Fortschritt. Ob große oder kleine Kultur – Züchtung braucht Wertschätzung und eine gerechte Finanzierung für die erbrachte Leistung, denn ansonsten kommt sie zum Stillstand. Wer die Vorteile des Sortenschutzes versteht, weiß seinen Wert für die Landwirtschaft zu schätzen.

 

 

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