Schutz geistigen Eigentums gegen Stillstand

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Was haben Pflanzenzüchter mit Albrecht Dürer gemeinsam?

Es gibt kaum eine Innovation, die so leicht kopierbar und vermehrbar ist wie eine Sorte. Der Sortenschutz schützt das geistige Eigentum der Züchter und regelt die Refinanzierung unserer aufwändigen Züchtungsleistung, damit Züchtungsfortschritt für eine zukunftsfähige Landwirtschaft generiert werden kann.

Albrecht Dürer war einer der ersten Vorkämpfer für das Urheberrecht. Schon im Mittelalter kämpfte er darum, dass seine Werke nur dann mit dem berühmten verschlungenen Kürzel „AD“ versehen werden durften, wenn er sie selbst geschaffen – das heißt auch vervielfältigt – hatte. Die massenweise Vermehrung seiner Stiche von kopierten Platten konnte er trotzdem nicht verhindern. Die Nachahmer verkauften Kopien seiner gefragten Werke und brachten ihn um die wohlverdienten Einnahmen. 1520 reiste er in die Niederlande, um sich bei Kaiser Karl V. die Bestätigung der von dessen Amtsvorgänger gewährten Privilegien für den Schutz seiner Werke zu erbitten. Was ihm auch gelang.

Er erreichte durch seinen Einsatz, dass die „Fälscher“ oder „Vervielfältiger“ die Kopien nicht mit seinem Kürzel versehen durften und damit nicht als „echte“ Dürer verkaufen konnten. Man sagte ihm nach, dass er Nachahmer und Fälscher gnadenlos verfolgte. Die Abbildung der Werke Dürers ist heute „gemeinfrei“, weil der Künstler bereits länger als 70 Jahre tot ist. Nachbaugebühren sind nichts anderes als Lizenzgebühren für geistiges Eigentum, auch wenn deren Notwendigkeit nicht so viel Anerkennung genießt wie die Werke Dürers.

Fast vier Jahrhunderte später, um 1900, beschlossen die Pflanzenzüchter, ihre Arbeit zum Beruf zu machen und damit auch die Interessen ihres Berufsstandes zu vertreten. Als die ersten Züchter in der Lage waren, überzähliges Saatgut aus ihrer eigenen Züchtung und Vermehrung auch an Nachbarn zu verkaufen, konnten sie daraus noch keine großen Gewinne erzielen. Die Nachbarn nutzen das geerntete Getreide zur Wiederaussaat im Folgejahr und die ersten Züchter hatten noch keine Handhabe, dafür einen finanziellen Ausgleich zu beanspruchen. Sie begannen daher, sich für die Lizenzierung ihrer Produkte einzusetzen.

Pflanzenzüchtung erreichte in den folgenden Jahrzehnten bis heute einen immer höheren Spezialisierungs- und Technisierungsgrad. Im Gegensatz zur reinen Selektion von Landsorten durch Landwirte unterliegen Kreuzungssorten der behördlichen Sortenprüfung und Zulassung. Erreicht wurden dadurch enorme Ertragszuwächse und verbesserte Pflanzengesundheit zum Nutzen von Landwirtschaft und Gesellschaft. Aber es waren auch immer größere Investitionen und geschulte Fachkräfte notwendig. Die Entwicklung einer zuverlässigen neuen Sorte bis zur Marktreife dauert im Durchschnitt zehn bis fünfzehn Jahre. Dafür kann der Landwirt sicher sein, dass er qualitativ hochwertiges und für die unterschiedlichsten Standortansprüche passendes Saat- oder Pflanzgut bekommt.

Pflanzenzüchter brauchen die Refinanzierung ihrer Züchtungsarbeit durch Lizenz- und Nachbaugebühren. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass Züchtung nicht stillsteht, sondern sich den Herausforderungen des dritten Jahrtausends weiter stellen kann:

 

  • Sicherung der Ernährung
  • Klimawandel
  • Bereitstellung nachwachsender Rohstoffe
  • Innovationen
  • Qualität
  • Nachhaltigkeit

 

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